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Die scheußlichsten Länder der Welt: Mrs. Mortimers übellauniger Reiseführer

Die scheußlichsten Länder der Welt: Mrs. Mortimers übellauniger Reiseführer

Die Idee ist erfrischend: ein Buch über die Länder der Welt, in dem garantiert nicht die durch Werbung und Reisebüros überstrapazierten Begriffe „Traumstrand“, „pittoreske Fischerdörfer“ und „perfekte Orte zum Seele baumeln lassen“ vorkommen. Nein, es soll um eine ganz und gar schonungslose Betrachtung der Länder gehen, die in politisch inkorrekter Weise den Finger auf Wunden legt, Tacheles redet, schonungslos unbequeme Wahrheiten nennt. Doch wer jetzt eine aktuelle Abrechnung erwartet, wi

Unverb. Preisempf.: EUR 6,00

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Kommentare

Apicula 17. Dezember 2011 um 02:35

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Miss Mortimer verschubladet die Völker der Welt: Eloquent, naiv, politisch völlig inkorrekt – jedoch unbedingt lesenswert!, 25. April 2008
Von 
Apicula (Apiculis) – Alle meine Rezensionen ansehen
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Eine verbiesterte Dame muss sie – nach unseren Maßstäben gemessen – gewesen sein, diese Miss Favell Lee Mortimer (* 1802 … + 1878), die der Welt vor zirka 150 Jahren diese durchaus aufschlussreichen, jedoch durch und durch Vorurteils-Gespickten – nämlich für unser Verständnis alles andere als politisch korrekten! – Aufzeichnungen, hinterlassen hat. Zu diesem Schluss kann man bereits gelangen, wenn man das ausführliche Wort des Herausgebers, Todd Pruzan, zur Kenntnis nimmt. Dieses Vorwort ist übrigens mindestens so lesenswert, wie Miss Mortimers eigenwillige Reiseberichte (im Original unter mehreren Titeln erschienen) – über Länder, in denen die Gute freilich niemals persönlich war; Favell Mortimer war laut eigenen Aufzeichnungen nur zwei mal außer den Grenzen ihrer Heimat, noch nicht einmal bis „Wales“ hat sie es geschafft, dennoch den dort ansässigen Menschen einen Haufen mehr oder weniger glaubwürdige Eigenschaften angedichtet. („Auch wenn die Waliser nicht sauber sind, sehen ihre Häuser sauber aus, weil sie sie jedes Jahr tünchen, und manchmal tünchen sie auch die Schweineställe.“ [S.45])
Die Autorin war übrigens Zeitgenossin von Berühmtheiten, wie Charlotte und Emily Bronte, Elizabeth Gaskell, Charles Darwin … Im viktorianischen England war sie bekannt (allerdings nicht namentlich!) für das Kinderbuch „The peep of day“, das heute ohne jede weitere Diskussion verboten werden würde: Eine Aneinanderreihung von grauslichen Schilderungen, die man sogar als Erwachsener mit einiger Befremdung liest.

Wie stellt man sich diese Miss Mortimer jetzt vor?
In schwarzem Gewandt, im viktorianischen Stil, mit Spitzenhaube und einer Bibel in der Hand – in welcher die griesgrämige Dame den ganzen lieben Tag lange liest. Wenn sie nicht von irgendwoher Berichte über andere Länder aufschnappt, die sie nach ihrem eigenen Stil interpretiert.

Welche Kriterien setzt Miss Mortimer voraus um Menschen als „die Guten“ einzustufen?
Im Prinzip gehören alle Menschen dazu, die dem evangelischen Glauben angehören, dem Alkohol abschwören und noch so einigen anderen Dingen, die nichts als Unheil über die Menschheit bringen (Rauchen, Opium).

Welche Völker sind jetzt von Grund auf schlecht?
Alle, die Götzenbilder anbeten – ganz schlimm, diese Katholiken! -, die Alkohol trinken und den Tag des Herren nicht gebührend loben. Nicht zu vergessen die Zeitgenossen, die Bücher lesen über Menschen, die nie gelebt haben! (Insbesondere den „Deutschen“ wird das vorgeworfen

Welche Länder sind laut Miss Mortimers Aufzeichnungen die „schönsten“?
Einerseits taucht da immer wieder die Schweiz auf, und – leicht nachzuvollziehen -, ihre Heimat: England. Sogar über Griechenland weiß Miss Mortimer Gutes zu berichten:
“ … eines der lieblichsten Länder – v i e l l e i c h t ist es das a l l e r schönste-, aber mit letzter Sicherheit können wir das nicht behaupten, denn manche Leute meinen, das sei die Schweiz.“ [S.114]

Übrigens -, in genau diesem Frage- und Antwort-Stil, den ich in den letzten zwei Absätzen angewendet habe, schreibt Miss Mortimer. Was diese überaus naiven Ansichten der Dame zu unfreiwilliger Hochkomik auflaufen lässt und ordentlich Spielraum für Interpretationen der Herkunft ihrer Informationen lässt! Eingeleitet werden ihre „Artikel'“ über die einzelnen Länder von historischen Abrissen, die unerwartet hohen Informationscharakter haben – und schlussendlich ein umfassendes Gesamtbild des beginnenden 19. Jahrhunderts ergeben. Für mich als Geschichts- und Jahreszahlenmuffel eine faszinierende Nachhilfestunde in Geschichte.
Der Haken an dem Büchlein: Es ist schwer „am Stück“ zu ertragen. Ich hab’s auf dem Flughafen gesehen, war sofort entzückt, habe es während des Wartens und gleich im Flugzeug weiter gelesen – musste es nach insgesamt zwei Stunden allerdings zur Seite legen müssen, denn so komisch Miss Mortimers Erläuterungen zu Europa sind, so anstrengend wird die Sache, wenn man sich den Asiatischen oder Afrikanischen Stämmen und Ländern widmet.

Ein unbedingter Tipp für alle Fans von Reiseberichten und für Leser(innen),die sich den geistreichen Lektüren der viktorianischen Zeit verschrieben haben. Unbedingt auch erwähnenswert das handliche, schön gebundene Format – und die liebliche Gestaltung der Artikel mitsamt der herrlich beschrifteten Landkarten! Zum Verschenken fast zu schade … 😉

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zeilensprung 17. Dezember 2011 um 03:27

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
„Die Menschen sind gut, nur die Leute sind schlecht“…, 25. November 2007

… dieses Kästner-Zitat möchte man nach der Lektüre dieses Reiseführers zum Abgewöhnen kurzerhand ein wenig abwandeln in ein „Die Länder sind gut, nur ihre Bewohner sind schlecht…“

Diese Mrs Mortimer muss schon eine rechte Giftspritze gewesen sein. Denn bereist hat sie die von ihr abqualifizierten Länder alle nicht. Dennoch ist dieses freche Buch hochvergnüglich! Denn sie nährt ihre spitzen, manchmal auch nur miesepetrigen Kommentare allein aus zusammen gesammelten Informationen, die sie mit sorgsam gezüchteten, eigenen Vorurteilen würzt. So sind es vor allem die jeweiligen Landesbewohner, die Mrs Mortimer kurzerhand für alles Übel verantwortlich macht.

Darüber hinaus hat sich die Autorin auch als „Kinderschreck“ einen Namen gemacht. Ihre Geschichten, die sich seinerzeit sehr gut verkauften, sind derartig gruselig, das auch heutigen Kindergenerationen die Haare zu Berge stehen…

Nun, eigentlich darf man froh sein, Mrs. Mortimer nicht mehr kennenlernen zu können.
Ihre Texte jedoch sind so unfreiwillig komisch, das sie heute durchaus noch die Lektüre lohnen!
Ein witziges Buch!

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S. Dierkes 17. Dezember 2011 um 03:38

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Im höchsten Maße political incorrect…., 7. Oktober 2007

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Zusammenstellung aus den drei Reiseführern von Mrs. Mortimer, ergänzt um einige Kommentare und Informationen zu den Ländern der damaligen Zeit.
Dabei sind die Beiträge in diesem „Reiseführer“ durchaus nicht mehr up to date, da diese Beiträge aus der Mitte des 19. Jh. stammen. Allerdings waren die Beiträge auch schon in Ihrer Zeit alles andere als korrekt, denn Mrs. Mortimer kannte die Länder, die sie beschrieb nicht, sondern stützte sich ausschließlich auf dem, was Sie von den Ländern gehört und gelesen hatte. So kann man ruhigen Gewissens bahupten, dass dieser Reiseführer eine Aneinanderreihung von Vorurteilen und absurden Fakten ist. Dazu kommt, dass Mrs. Mortimer ihre Sicht der Welt mit absoluter Bestimmtheit vertritt, so dass man wirklich meinen könnte, Sie wüsste es aus eigener Anschauung, dazu kommt, dass Sie eine geradezu pathologische Abneigung gegen sämtliche Religionen außer ihrer eigenen hat (Protestantisch) und damit auch katholisch orientierte Länder bestenfalls ihr Mitleid für die irrgläubigen Menschen dort wecken.
Dieses Buch ist amüsant, eben weil es dermaßen viel Unsinn über andere Länder enthält und diese mit dem Brustton der absoluten Überzeugung vetreten werden. Man muss dieses Buch auch nicht von vorne lesen, sondern man kann sich immer mal wieder ein Land rausgreifen und sich über 2-3 Seiten amüsieren.
Darüber hinaus hält uns diese Buch aber auch einen Spiegel vor, natürlich kommen uns die hier geäußerten Meinungen absurd vor, aber dennoch finden sich einige der Vorurteile auch heute noch in der einen oder anderen Form. Vielleicht hilft das Buch dabei, diese ein wenig mehr in Frage zu stellen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.
Ansonsten aber viel Spass beim Lesen.

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